Volkskundliches Wissen

Das Beispiel der „Sammlung volkstümlicher Überlieferungen“ in Württemberg

Assoziiertes Dissertationsprojekt

Im Mittelpunkt meines fachhistorischen Dissertationsprojekts steht die Untersuchung volks- und sprachkundlichen Wissens am Beispiel der im Jahr 1899 vom Tübinger Germanisten Karl Bohnenberger (1863-1951) initiierten „Sammlung volkstümlicher Überlieferungen“ aus einer wissensanthropologischen Perspektive. Mit der eigens zum Zweck der Erhebung gegründeten Württembergischen Vereinigung für Volkskunde und in Zusammenarbeit mit dem Königlich Statistischen Landesamt rief Bohnenberger im Rahmen einer volkskundlichen Enquete vor allem Lehrer zur Mitarbeit an der Sammlung auf. Für das Jahr 1900 sollten sie ihren alljährlichen Konferenzaufsatz zu dem Thema „Sammlung volkstümlicher Überlieferungen von der Gemeinde…“ verfassen, wofür Bohnenberger einen in folgende Bereiche eingeteilten Fragebogen entwickelte: I. Sitte und Brauch, II. Nahrung und Kleidung, Wohnung und Geräte, III. Glaube und Sage, IV. Volksdichtung und V. Mundart. Beschrieben wurde das Leben von Bauern, Handwerkern, Arbeitern und deren Familien in Landgemeinden und kleineren Städten. Diese Arbeit befasst sich erstmalig mit dem Entstehungs- und Verwertungsprozess des für die Berichte erhobenen volkskundlichen Wissens. Ziel ist, Bedingungen und Konstellationen einer frühen volkskundlichen Forschung und die Zusammenhänge der dabei gewonnenen Wissensbestände freizulegen. Die Untersuchung der Herkunft volkskundlichen Wissens liefert somit Grundlagen zu einer selbstreflexiven Auseinandersetzung der Volkskunde mit ihrer Fachgeschichte und einen wichtigen Beitrag zur Sozial- und Kulturgeschichte Württembergs. Mein Promotionsprojekt schließt sich in Fragestellung und Methodik den vorgegebenen Untersuchungs- und Deutungsmustern des DFG-geförderten Forschungsverbundes „Volkskundliches Wissen und gesellschaftlicher Wissenstransfer: zur Produktion kultureller Wissensformate im 20. Jahrhundert“ an.