Forschen und Fördern

Produktion und Transfer volkskundlichen Wissens am Beispiel des Tübinger Arbeitskreises für Fasnachtsforschung (1961-1969)

(abgeschlossen am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Göttingen am 13.6.2014)

Die Dissertation gibt einen lebendigen Einblick in den Arbeitsalltag einer volkskundlichen Forschungskooperation in den 1960er-Jahren. Der „Tübinger Arbeitskreis für Fasnachtsforschung“ untersuchte und diskutierte auf Initiative von Brauchpraktikern die historischen Hintergründe und kontemporären Entwicklungen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Mittels wissensanthropologischer Analyse der publizierten Forschungsergebnisse und archivierten Aufzeichnungen sowie qualitativer Interviews mit den ehemaligen Mitgliedern des Arbeitskreises spürt die Arbeit den Praktiken volkskundlichen Arbeitens en détail nach. Die Beziehungsgeschichten zwischen den heterogenen Akteuren im volkskundlichen Milieu geben Auskunft über die Beweglichkeit volkskundlicher Forschung und der hervorgebrachten Wissensbestände und verdeutlichen gleichzeitig die aktiven Grenzziehungen innerhalb dieses Aktionsraumes. Die wissensanthropologischen Beobachtungen jenseits der inhaltlichen Analyse damaliger Forschungsergebnisse zeigen, dass Wissensproduktion immer mehr bedeutet und bewirkt als die „Entdeckung wissenschaftlicher Tatsachen“. Am Beispiel des Tübinger Arbeitskreises für Fasnachtsforschung wird die produktive Wirkung volkskundlicher Forschungen für die Herausbildung und Inwertsetzung identitätsstiftender kultureller Faktoren für das Bundesland Baden-Württemberg deutlich.